WESEL: Zwischen Heidenspaß und Heidenangst – Hunde in der Dingdener Heide!!!


(Wesel). Die Vorauswahl für das Wort des Jahres 2020 entwickelt sich prächtig. Bei soviel Social Distancing in Coronazeiten ohne Exit-Strategie haben außerhalb systemrelevanter Berufe viele mit dem Lagerkoller zu kämpfen. Was spricht da gegen einen wohltuenden Gang an die frische Luft? Natürlich nichts. Vielleicht auch mal einen Blick in die Dingdener Heide und ihre Naturschutzgebiete werfen? Klasse Idee! Dort vielleicht mal den Hund von der Leine lassen? Das lieber nicht. Aber warum nicht?

Zwischen Heidenspaß und Heidenangst – Hunde in der Dingdener Heide

Es beginnt damit, dass „Naturschutzgebiet“ (entgegen verbreiteter Gerüchte) keine zufällige Buchstabenfolge ist. Wo immer das grün umrandete Dreiecksschild mit dem Adler am Wegesrand prangt, gewährt der Staat Natur und Landschaft besonderen Schutz und verbietet deshalb Handlungen, die ihnen schaden können.

Das Schild wird in der Regel von einem zweiten begleitet, das die wesentlichen Verbote nennt (*). Dazu gehören zelten, offenes Feuer machen, die Wege verlassen und, ja, den Vierbeiner frei laufen lassen. Damit ist der Fall klar, zumindest rechtlich. Cäsar/Cesar muss hier an die Leine, so stur er auch zerrt und so sehr uns sein enttäuschter Blick/Biss schmerzt.

Manche erzürnt diese Einschränkung ihrer Freiheit und der ihres Hundes. Der sei schließlich auch Natur. Aber diese These stellt das (zugegeben schwammige) Wort „Natur“ auf eine Zerreißprobe. Hunde im engen Sinne kämen bei uns ohne menschliches Zutun nicht vor und ihre nächsten wildlebenden Verwandten, die Wölfe, zählen weltweit rund eine Millionen Exemplare. Bei Hunden kommt allein Deutschland auf das Mehrfache.

Zwar lässt nicht jeder Wadenbeißer seine stolzen Ahnen erkennen, aber trotzdem macht der Zahlenverg leichdeutlich, dass bei uns um Größenordnungen mehr gekläfft und geknurrt wird als es von „Natur“ aus der Fall wäre. Der Hund ist hier also nicht bedroht, sondern es ist eher umgekehrt. Eine zügel- bzw. leinenlose Hundekultur kann andere Lebensbereiche bedrohen.

Für die Dingdener Heide ist das schnell erklärt. Hier tummeln sich gefährdete Wiesenvögel wie der Kiebitz und der Große Brachvogel, vom letzteren die beinahe einzigen im Kreis Wesel. Ein Hund in solchen Flächen gleicht einem Elefanten im Porzellanladen. In der Vogelschule lernt man nicht, dass der herumtollende Vierbeiner kein Wolf ist, weshalb die Tiere oft mit Angst reagieren, auch wenn sich das unkundigen Augen und Ohren nicht erschließt. Mag sein, dass Brutus „nichts tut“ oder „nur spielen will“. Die Brachvögel und Kiebitze wollen aber nicht mitspielen. Sie haben alle Flügel voll damit zu tun, ihre Brut zu ernähren und gegen andere Gefahren zu verteidigen, bis sie fliegen kann. Es gelingt schon jetzt selten genug. Deshalb: genießen Sie gerne die Dingdener Heide. Aber tragen Sie bitte mit der Leine in der Hand dazu bei, dass die Heide auch Sie genießen kann!

(*Anm: die Schilder auszureißen ändert die Rechtslage nicht, jedenfalls nicht zugunsten des Ausreißenden.)

Quelle: Stiftung Büngender/Dingdener Heide
Photo: © MMB/Below


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