DIE HERINGSMÖWE


(Wikipedia). Die Heringsmöwe (Larus fuscus) ist eine Vogelart innerhalb der Möwen (Larinae). Ihre Brutverbreitung erstreckt sich von Island ostwärts über große Teile der europäischen Küsten bis zur Taimyrhalbinsel im nordwestlichen Sibirien. Die Art ist oberseits dunkler als die Silbermöwe, der sie verwandtschaftlich nicht so nah steht wie früher einmal angenommen. Näher ist sie mit der Steppenmöwe verwandt. Manche Autoren betrachten die nordöstlichen Populationen als eigene Art – die Tundramöwe (Larus heuglini). Die im nördlichen und östlichen Skandinavien vorkommende Nominatform ist am dunkelsten und möglicherweise im Bestand bedroht.

Die Heringsmöwe ist ein Zugvogel, dessen nördliche Populationen am weitesten ziehen und teils in den tropischen Zonen Afrikas und Asiens überwintern. Die Vögel Westeuropas überwintern zu einem großen Teil schon an der französischen Atlantikküste und im Mittelmeer.

BESCHREIBUNG

Die Heringsmöwe ist mit 49–57 cm Körperlänge kleiner und schlanker als eine Silbermöwe. Der Schnabel ist länger, schmaler und wirkt spitzer. Er ist zwischen 40 und 58 mm lang. Die Flügel wirken im Flug verhältnismäßig lang und besonders im Bereich des Armflügels relativ schmal. Die Flügellänge liegt zwischen 368 und 456 mm, die Flügelspannweite zwischen 118 und 158 cm, das Gewicht zwischen 450 und 1300 g. Ein Sexualdimorphismus ist bezüglich des Gefieders nicht ausgeprägt. Männchen sind jedoch größer und kräftiger gebaut. Junge Heringsmöwen in Westeuropa wechseln im vierten Winter in das Adultkleid (Vierjahres-Möwe); die östlichen Unterarten fuscus, heuglini, taimyrensis und barabensis sind hingegen Dreijahres-Möwen. Im Folgenden werden daher die für die westeuropäischen Unterarten graellsii und intermedius typischen Merkmale und Kleider beschrieben, zu den anderen Formen siehe Abschnitt Interne Systematik.

ADULTE VÖGEL

Im Brutkleid sind Kopf, Brust, Hals und Bauch wie auch Flügelunterseite, Bürzel und Schwanz rein weiß. Die Farbe der Oberseite ist dunkler als bei der Silbermöwe und variiert je nach Unterart zwischen schiefergrau und samtigem schwarzgrau wie bei der Mantelmöwe. Der Flügel zeigt aufgrund weißer Schwingenspitzen einen weißen Flügelhinterrand, der ununterbrochen bis zur fünften Handschwinge reicht. Der äußere Handflügel ist schwarz, kontrastiert aber bei dunkleren Vögeln (siehe Geografische Variation) meist nur geringfügig zur übrigen Flügeloberseite. Davon heben sich relativ kleine, weiße Spitzenflecken sowie ein subterminales Feld auf der äußeren, zehnten und manchmal ein kleineres auf der neunten Handschwinge ab. Die Iris ist gelb, das Auge von einem roten Orbitalring umgeben. Der Schnabel ist, wie auch die Beine und Füße, gelb und zeigt einen leuchtend roten Gonysfleck.

Das adulte Winterkleid unterscheidet sich lediglich durch eine dunkle Strichelung an Kopf und Nacken, bei der das Gesicht meist weiß bleibt. Bei einigen Vögeln bleibt der Kopf aber auch im Winter komplett rein weiß. Bei einigen ist eine schwarze Zeichnung im Bereich des Vorderschnabels über dem Gonysfleck zu erkennen.

JUGENDKLEID

Juvenile Vögel wirken insgesamt dunkel bräunlich. Schnabel und Auge sind schwarz, die Füße fleischfarben. Die Oberseite macht aufgrund schwärzlicher Federzentren und heller Säume einen geschuppten Eindruck; das übrige Körpergefieder ist auf hellem Grund fleckig dunkelbraun gestrichelt. Im Gesicht verdichtet sich diese Strichelung zu einer dunklen Maske. Der Bürzel trägt auf weißlichem Grund eine dunkelbraune Bänderung, die in eine breite, schwarze Schwanzbinde übergeht. Das Jugendkleid ähnelt dem der Silbermöwe, ist aber insgesamt und besonders im Bereich der Flügel dunkler. Die Schwingen sind schwärzlich wie auch die großen und mittleren Armdecken. Letztere bilden aufgrund heller Säume zwei schmale, helle Querbänder auf der Flügeloberseite. Das für Silbermöwen typische, helle Feld im Bereich der inneren Handschwingen fehlt meist oder ist weniger auffällig. Die Flügelunterseite wirkt oft sehr dunkel.

VERBREITUNG

Die Brutverbreitung der Heringsmöwe ist westpaläarktisch und erstreckt sich über die Küsten der gemäßigten und der subpolaren Zone in Europa, Nordrussland und Westsibirien. Sie umfasst Island, die Färöer und die Britischen Inseln. Südwärts reicht sie bis in den Norden der Iberischen Halbinsel. Eine disjunkte Teilpopulation gibt es im Ebrodelta und vereinzelte Brutpaare in Portugal. Ostwärts reicht die Verbreitung bis zur Taimyrhalbinsel. Einzelne Brutnachweise liegen auch aus Senegambien vor, wo die Art sonst nur Wintergast ist.

LEBENSRAUM

Die Heringsmöwe brütet vorwiegend an der Küste, ist aber besonders auf den Britischen Inseln, in Skandinavien und im östlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets auch großräumig an Binnengewässern und in Mooren als Brutvogel anzutreffen. Sie brütet an ähnlichen Orten wie die Silbermöwe, mit der sie sich auch vergesellschaftet, bevorzugt im Unterschied zu dieser aber eher flacheres Gelände mit höherer Vegetation wie beispielsweise Heidekraut oder Adlerfarn. Sie ist nur selten als Brutvogel an felsigen Steilküsten zu finden, hier meidet sie anscheinend besonders die Gegenwart der Silbermöwe.

Auf den Britischen Inseln und in Westskandinavien ist die Art häufig Brutvogel in Deckenmooren, wo sie in Heidekraut- und Wollgrasbeständen nistet. Auf Island findet man sie ebenfalls in Hochmooren und Heiden, aber auch auf vegetationsarmen Kies- und Lavaflächen. Die Unterart L. f. fuscus brütet an flachen Inseln oder Schären in Küstennähe oder an Binnengewässern. Sie bevorzugt aber landferne Inseln und vegetationsreiche Stellen; so brütet sie auch auf Inseln mit lichtem Kiefernbestand (z.B. auf Texel). 

Die Tundramöwe (L. f. heuglinii und L. f. taymirensis) brütet in offenen Tundralandschaften mit Sümpfen sowie auf Küsteninseln. Sie scheint auch häufiger an steilen Felsküsten zu nisten. Die Unterart L. f. barabensis besiedelt ausgedehnte Röhrichtbestände an Steppenseen sowie kleine, birkenbestandene Inseln.

Außerhalb der Brutzeit ist die Heringsmöwe an Küsten- und Binnengewässern, in Mündungslandschaften, in Häfen und an tropischen Lagunen zu finden. Im Unterschied zur Silbermöwe ist sie weniger an das Litoral gebunden und häufiger im Pelagial zu finden. Auf Müllhalden tritt sie meist nur in kleinen Zahlen als Kleptoparasit auf. In größeren Zahlen kommt sie dort nur vor, wenn andere Großmöwen fehlen. Rast- und Schlafplätze liegen oft an großen übersichtlichen Binnenseen oder an den Sandstränden von Wattinseln.


WISSENSCHAFTLICHER NAME:

LARUS FUSCUS  ( Linnaeus 1758 )

  =  HERINGSMÖWE
  Lesser black-backed gull
  Kleine mantelmeeuw


SYSTEMATIK:

Klasse: Vögel ( Aves )
Unterklasse: Neukiefervögel ( Neognathae )
Ordnung: Regenpfeiferartige ( Charadriiformes )
Familie: Möwenverwandte ( Laridae )
Unterfamilie: Möwen ( Larinae )
Gattung: Larus


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