DIE MARMORIERTE BAUMWANZE


(Wikipedia). Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys, umgangssprachlich auch Stinkkäfer oder BMSB (vom englischen Namen brown marmorated stink bug)) ist eine Baumwanzen-Art mit natürlicher Verbreitung im gemäßigten (temperaten) Ostasien.

Die Art gilt als landwirtschaftlicher Schädling und wurde als Neozoon nach Nordamerika, später auch nach Europa eingeschleppt und hier bereits in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Ungarn, der Schweiz und Spanien nachgewiesen.

Photos: © MMB/Below


WISSENSCHAFTLICHE BEZEICHNUNG

HALYOMORPHA HALYS  ( Stål 1855 )

= MARMORIERTE BAUMWANZE
= Brown marmorated stink bug
= n.n.



Klasse: Insekten ( Insecta )
Ordnung: Schnabelkerfen ( Hemiptera )
Unterordnung: Wanzen ( Heteroptera )
Familie: Baumwanzen ( Pentatomidae )
Unterfamilie: Pentatominae
Tribus: Cappaeini
Gattung: Halyomorpha
Es handelt sich mit 12 bis 17 Millimeter Körperlänge um eine relativ große Wanzenart mit der für Baumwanzen typischen robusten, etwas blattförmig verbreiterten Körpergestalt. Sie ist in der Grundfarbe ockerfarben, mit zahlreichen dichtsitzenden schwarzen Punkten. Am Kopf ist der Clypeus seitlich dunkel gefärbt. Von den Antennen ist das erste Glied blass mit dunklen Punkten, das zweite ebenso gefärbt oder großenteils verdunkelt. Das dritte Glied ist vollständig dunkel. Das vierte Segment ist dunkel mit je einem hellen Ring am unteren (basalen) und oberen (apikalen) Ende, das fünfte besitzt einen basalen hellen Ring. Es ergibt sich ein weißes Ringelmuster auf dunklem Grund.

Das Scutellum trägt eine Reihe aus fünf hellen Schwielen (Calli) am basalen (vorderen) Rand. Diese Punktreihe gilt als das beste Feldmerkmal zur Erkennung der Art, kann jedoch variabel ausgeprägt sein. Der seitlich über die Hemielytren vorstehende Abschnitt des Hinterleibs, das Connexivum, trägt wie bei vielen Baumwanzen eine auffallende schwarz-weiße Fleckenzeichnung.

Das Corium der Hemielytren ist bei manchen Exemplaren rötlich überlaufen. Die Membran der Flügel ist glasklar (hyalin) mit einer undeutlichen Zeichnung aus Längsstreifen. Die Unterseite des Körpers ist blass gelblich, die Sternite des Hinterleibs sind in der Mitte hell und nur am Außenrand spärlich dunkel punktiert.

Die Beinglieder (Femora, Tibien und Tarsen) sind ockerfarben, aber zum Ende hin breit verdunkelt.

Der Kopf der Art ist in Aufsicht langgestreckt rechteckig mit seitlich vorspringenden, großen Komplexaugen und zwei roten, knopfförmigen Ocelli. Die Vorderecken des Pronotums, hinter den Komplexaugen, sind etwas dornförmig verlängert. Das zweite freie Sternit des Hinterleibs (anatomisch: das dritte Segment) ist glatt und trägt weder einen Dorn noch einen Vorsprung.

In Mitteleuropa bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit der Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa), der Spitzbauchwanze (Troilus luridus) oder der Beerenwanze (Dolycoris baccarum).

Die Art ist als Neubürger der mitteleuropäischen Fauna in den meisten Feldführern und Bestimmungswerken noch nicht enthalten.

Die Art ist natürlich verbreitet im Osten Asiens, Nachweise liegen hier vor aus Ostchina, Japan, Korea und der Insel Taiwan.

Der erste europäische Nachweis erfolgte 2004 im Großraum Zürich in der Schweiz. Seither breitet sich die Art auch hier aus, wobei städtische (urbane) Habitate bevorzugt werden. 2007 konnte eine unabhängige Einschleppung mit Transportkisten nach Bremerhaven durch sofort eingeleitete Bekämpfungsmaßnahmen noch an der Etablierung gehindert werden; 2011 erfolgte der erste deutsche Nachweis in Konstanz.

Stand 2022 ist die Art nach modernen Datensammlungen wie iNaturalist vor allem im Westen Deutschlands weit verbreitet. Hier wird sie meistens entlang des Rheins gefunden, von der Oberrheinebene über das Rhein-Main-Neckar-Gebiet bis zum Niederrhein und Ruhrgebiet. In den Gebieten, in denen sie vorkommt, ist sie meist sehr häufig. So ist sie heutzutage eine der 8 am häufigsten in Bürgerdaten nachgewiesenen Wanzenarten in ganz Deutschland.

Die Art überwintert als Imago und wird aktiv, wenn die Temperaturen etwa 10 °C überschreiten. Sie sind im Wesentlichen pflanzensaugend. Befallen werden zahlreiche Baum- und Straucharten, gelegentlich auch krautige Arten. Insgesamt sind mehr als 300 Wirtsarten bekannt (polyphage Art), mit einer gewissen Bevorzugung von Arten aus der Familie der Rosengewächse. Besaugt werden neben den Blättern auch die Früchte.

© MMB/Below | Ei-Gelege der Marmorierten Baumwanze

Große Populationen waren in der Schweiz zum Beispiel an Trompetenbaum (Catalpa), Jungfernreben (Parthenocissus), Esche, Vogelbeere und Sommerflieder zu finden. Die Weibchen beginnen mit der Eiablage im Frühsommer. Die kleinen Eigelege (s. Foto) werden auf der Blattunterseite der Wirtspflanzen abgelegt. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Nymphen durchlaufen bis zur Imago (Bezeichnung für das erwachsene geschlechtsreife Insekt nach der Verpuppung oder der letzten Häutung) fünf Stadien, Mindesttemperatur für ihre Entwicklung sind 14 °C. 

Besonders gerne verkriechen sich die Wanzen im Mauerwerk, sind aber auch auf Dachböden oder in Blumenkisten auf dem Balkon zu finden.

Die Marmorierte Baumwanze wird vor allem durch das Besaugen von Früchten schädlich. Darunter beispielsweise Pfirsich, Apfel, Birnen, Haselnuss, Weinrebe, aber auch Mais, Sojabohne, Tomate, Paprika und Aubergine. Um das Pflanzengewebe durch den Saugrüssel aufnehmen zu können, enthält der Speichel von Wanzen proteolytische d. h. Eiweiß abbauende Enzyme zur Verflüssigung des Gewebes. Der Speichel verursacht damit die typischen Schadbilder wie Verformungen, Verfärbungen und Nekrosen (Zerfall des Gewebes). Des Weiteren können durch den Saugvorgang Pflanzenpathogene übertragen werden. Im Jahr 2020 wurde nachgewiesen, dass H. halys den Stigmatomykose-auslösenden Hefepilz Eremothecium coryli beim Einstechen in unreife Haselnüsse überträgt.

Gelegentlich kann die Marmorierte Baumwanze in Massen als Lästling in Gebäuden auftreten.


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