Wenn das Haarwild plötzlich vor der Kühlerhaube liegt…


(Hamburg). Wumms – gerade noch vergnügt mit dem Auto auf dem abendlichen Heimweg – und plötzlich steht der 100-Kilo-Keiler mitten auf der Fahrbahn und frisst Eicheln. Eine Sekunde später knallt`s. Nun liegt das Tier verletzt auf dem Asphalt. Ansonsten ist die Fahrbahn leer und dunkel. Was tun? „Auf keinen Fall die Nerven verlieren“, rät Wildtierexperte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. „In diesem Jahr ist die Gefahr für Wildunfälle besonders groß, denn nach dem heißen Sommer tragen die Eichen, die häufig am Rand von Straßen wachsen, übermäßig viele Früchte. Was davon herunterfällt, lockt viele Wildtiere direkt auf die Fahrbahn“, sagt Kinser. Hinzu kommt die Zeitumstellung! Am 28. Oktober wird die Uhr auf die Winterzeit zurückgestellt. Wildexperten schätzen, dass es in der dunklen Jahreszeit alle 2,5 Minuten zu einer Blech-Wild-Kollision kommt. Denn dann fällt der Berufsverkehr mit der Dämmerung und damit den besonders aktiven Phasen des Wildes zusammen. „Deshalb ist es für Autofahrer oft überlebenswichtig, sich bei einem Wildunfall richtig zu verhalten.“

Herabfallende Eicheln locken jetzt das Wild auf die Straßen – und dann knallt`s

Auch wenn der Schreck tief sitzt: Verlassen Sie den Unfallort nicht! Wer nach einem Zusammenstoß mit einem Wildtier einfach weiterfährt, verstößt gegebenenfalls gegen das Tierschutzgesetz und schadet sich mit der „Fahrerflucht“ unter Umständen selbst. Denn für die Versicherung bei Schäden am Fahrzeug ist die Unfallbescheinigung der Polizei notwendig. „Ganz abgesehen davon, müssen Sie bei einem Wildunfall davon ausgehen, dass das Wildtier verletzt ist und Qualen leidet“, so Kinser. Häufig stehen die Wildtiere unmittelbar nach einem Zusammenprall wieder auf und flüchten in den Wald; sie stehen meist unter Schock und brechen kurze Zeit später zusammen, wo sie unter Schmerzen verenden. Auch bei einem Wildtier ist „unterlassene Hilfeleistung“ strafbar und kann bis zu 50.000 Euro Bußgeld kosten!

Was Sie in jedem Fall nicht tun sollten: „Gehen Sie auf gar keinen Fall zu dem verletzten und noch lebenden Wildtier“,sagt Andreas Kinser. „Wenn Wildtiere einem Menschen wehrlos gegenüber stehen, bedeutet das für sie qualvolle Todesangst.“ Tote Tiere dürfen Sie auch nicht im Kofferraum mit nach Hause nehmen, denn dies wäre der Tatbestand der Wilderei und kann mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren belangt werden (§ 292 StGB Jagdwilderei). „Ganz nebenbei ist es schon häufig vorgekommen, dass ein angefahrenes Tiere nach dem Schock des Zusammenpralls im Kofferraum wieder erwacht ist …“

Quelle: Deutsche Wildtierstiftung
Photos: © MMB/Below


ERFAHREN SIE MEHR:

» …weitere Meldungen der Wildtierstiftung


Antworten

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere