ZWILLBROCKER VENN: Die Flamingos sind wieder zahlreich zurück


(Vreden). Im Zwillbrocker Venn kommen die Arten Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus), Kubaflamingo (Phoenicopterus ruber) und Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis) vor. Natürlicherweise kommt der Rosaflamingo in Süd-Europa, Afrika, Südwest-Asien und Süd-Asien, der Kubaflamingo in der Karibik und Südamerika und der Chileflamingo in Südamerika vor. 1970 wurden im Venn erstmals zwei Flamingos unbestimmter Artzugehörigkeit beobachtet. In den nächsten Jahren gab es weitere Einzelbeobachtungen.

Im Jahr 1982 siedelten sich dann sechs Chileflamingos im Venn an und bauten Nester. Es kam zu keinem Bruterfolg. 1983 erschienen im Frühjahr zwölf Chileflamingos und erstmals schlüpften zwei Jungvögel. Ein Jungvogel verendete und der andere Jungvogel wurde in einen Tierpark gebracht, da man vermutete, dass er unter den Umweltbedingungen Mitteleuropas nicht flügge werden könne. 1985 wurden drei Jungvögel in Tierparks verfrachtet, während einer in der Natur ausfliegen durfte. Von 1983 bis 1989 wurden insgesamt 13 Jungvögel in Tierparks gebracht. 1986 gehörte erstmals der Rosaflamingo zu der Flamingokolonie. Seit 1993 wurden auch Jungvögel des Rosaflamingos flügge. Im Jahr 1994 taucht erstmals der Kubaflamingo in der Kolonie auf.

Es gab immer wieder erfolgreiche Mischbruten Chileflamingo x Rosaflamingo und Rosaflamingo x Kubaflamingo. Wobei vom Kubaflamingo überhaupt meist nur ein Vogel in der Kolonie war. 2006 erfolgte der erste Nachweis des Zwergflamingo (Phoeniconaias minor) in der Kolonie. Vom Zwergflamingo wurden bis 2010 nur Einzelvögel beobachtet, welche nicht am Brutgeschäft beteiligt waren. Seit 1989 waren, Jungvögel eingeschlossen, 26 bis 40 Flamingos pro Jahr in der Kolonie.

Von 1993 bis 2006 wurden pro Jahr sechs bis 17 Brutpaare Flamingos im Venn gezählt. Inzwischen hat schon die dritte Generation von Flamingos in der Kolonie gebrütet. Von 1983 bis 1995 gab es jedes Jahr Jungvögel in der Kolonie. Von 1996 bis 2000 waren alle Bruten aufgrund von Prädation durch Raubsäuger – hauptsächlich wohl durch den Rotfuchs erfolglos. Die Raubsäuger konnten ab 1996 die Brutinsel wegen der Verlandung im See erreichen. Seit 2001 gibt es wieder Bruterfolg, da optimale Brutplatzbedingungen durch die Regulierung des Wasserstands im See und den Bau eines Elektrozaunes geschaffen wurden. Von 1983 bis 2005 wurden 177 Nester gebaut und 72 Jungvögel flügge. 40,7 % der Jungvögel der Kolonie wurden flügge. Dies ist in etwa der gleiche Wert wie bei Kolonien anderswo auf der Welt. Bis 2005 wurden pro Jahr ein bis acht Jungvögel flügge.

Seit 1987 werden die Jungvögel der Kolonie beringt. Von 1995 an wurden 5,5 cm hohe Plastikringe mit Code genutzt. Diese Code-Ringe können mit dem Fernglas abgelesen werden und genaue Daten zu einzelnen Tieren liefern.

Nach dem Abzug aus dem Venn im Herbst werden Rastgebiete wie IJsselmeer, Veluwemeer und Oostvaardersplassen aufgesucht. Überwinterungsgebiet ist das Volkerakmeer im Rhein-Maas-Delta. Anfangs werden die Jungvögel noch von den Eltern gefüttert. Ende Februar bis Anfang März kehren die Flamingos, je nach Witterungsbedingungen ins Venn zurück. In strengen Wintern kommen sie hingegen erst Anfang April ins Gebiet zurück. Die Subadulten (Vögel, welche im Vorjahr erbrütet wurden) bleiben in der Regel im Überwinterungsgebiet und kommen erst als Adulte wieder zur Kolonie.

Die Flamingos im Venn leben vom Plankton im See. Wegen des Kots durch mehrere Tausend dort brütender Lachmöwen gibt es ausreichend Plankton für die Flamingos. Die Flamingos der Kolonie zeigen auch die gleiche Rotfärbung des Gefieders wie in anderen Kolonien.

Die genaue Herkunft der verschiedenen Flamingos konnte nie geklärt werden. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Chileflamingos, Zwergflamingos und Kubaflamingos um aus Tierhaltungen entflogene Vögel (Gefangenschaftsflüchtlinge) handelt, da wilde Flamingos dieser Arten nicht bis Europa ziehen. Bei den Rosaflamingos in der Kolonie könnte es sich zum Teil um Wildvögel aus Südeuropa handeln.

Quelle:  Wikipedia
Photos:  © MMB/Below

 


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