VERBRAUCHERZENTRALE NRW: Wie viel Pflege für den Vorgarten?


(Düsseldorf). Viele wünschen sich einen Vorgarten ohne Arbeit und versiegeln ihn deshalb. Aber bedeutet eine Bepflanzung wirklich mehr Aufwand? Das sogenannte Schottergartenverbot sorgt in manchen Gegenden Deutschlands für rege Diskussionen.

Auch in NRW schreiben immer mehr Kommunen für Vorgärten ein Mindestmaß an Grün vor. Als Argument für gepflasterte oder mit Steinen bedeckte Flächen führen Hausbesitzer*innen meist das ordentliche Erscheinungsbild an, das keine Arbeit mache. Wie viel Pflege die unterschiedlichen Arten der Vorgartengestaltung tatsächlich benötigen und welche Vor- und Nachteile sie bringen, erklärt Bernd Demuth, Experte von „Mehr Grün am Haus“ bei der Verbraucherzentrale NRW.

Ist ein Schottergarten pflegeleicht?

Unter einem Schottergarten versteht man eine Anlage mit Kies- oder Schottersteinen, in der Regel ganz ohne oder nur mit vereinzelten Pflanzen. Gegen das Wachsen von Wildkraut liegt unter der Steinschicht ein engmaschiges Vlies aus Kunststoff. Dieses setzt sich mit der Zeit etwa durch angewehte Blätter mit organischem Material zu. Als Folge kann Regenwasser nicht mehr gut versickern, so dass sich Algen auf den Steinen bilden und Pflanzen dazwischen wachsen. Wer den ordentlichen Eindruck seiner Schotterfläche erhalten will, muss den Steinbelag schon nach relativ kurzer Zeit regelmäßig vollständig abräumen und reinigen, ebenso wie das darunter liegende Unkrautvlies. Für diese aufwändige Arbeit ist in der Regel ein Hochdruckreiniger nötig.

Gepflasterte Flächen sehen ordentlich aus. Wie bleiben sie so?

Bei gepflasterten Vorgärten ist die obere Schicht des Bodens abgetragen und durch eine Tragschicht aus Schotter ersetzt. Der Belag aus Betonpflaster versiegelt die Oberfläche. Wer das Aufgeräumte seines so gestalteten Vorgartens schätzt, kommt um regelmäßige Pflege nicht herum. Meist sammelt sich dort Laub und Schmutz oder es entstehen Beläge oder Flecken. Fegen, der Einsatz einer harten Bürste oder eine aufwändige Behandlung mit Spezialmitteln oder einem Hochdruckreiniger können nötig werden. Arbeit machen auch Wildkräuter in den Fugen oder Sand, den Ameisen nach oben befördern. Ohne radikale Maßnahmen wie Abflammen, Auskratzen der Fugen oder umweltschädigende Gifte kommt man den Problemen kaum bei.

Was bringen Schottergärten oder Pflasterungen noch mit sich?

Beide Arten der Vorgartengestaltung heizen sich in der Sonne stark auf. Im Sommer kühlen sie nachts kaum ab, was das Mikroklima am Haus unangenehm für den Menschen macht. Und Wasser versickert nicht in den versiegelten Boden. Das kann bei Starkregen zu vollen Kanälen und Überflutungen führen, so wie es in den letzten Jahren immer häufiger passiert. Nicht zuletzt ist das Bodenleben bei diesen Belägen so gut wie tot, die versiegelte Fläche bietet keinerlei Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Sind Steingärten anders?

Im Gegensatz zum Schottergarten ist der Steingarten eine blütenreiche Anlage mit Natursteinen, die die felsigen und nährstoffarmen Böden von Bergregionen nachahmt. Die Pflanzen dort sind an Trockenheit, Hitze und Fröste angepasst und extrem pflegeleicht. Man muss sie höchstens in der Anwachsphase gießen und nur selten zurückschneiden. Bei Hanglagen bietet sich eine Vorgartenanlage auch als Trockenmauer an. Insgesamt ist ein Steingarten ideal, wenn man wenig Arbeit haben und gleichzeitig einen Lebensraum und Nahrungsangebot für Insekten schaffen möchte.

Kann ich meinen Vorgarten auch anders mit Pflanzen gestalten, ohne viel Arbeit hineinzustecken?

Wer seinen Vorgarten begrünen möchte, wählt am besten Stauden und Gehölze dafür. Einmal gepflanzt, entwickeln sie sich jedes Jahr weiter. Außer einem Rückschnitt im Frühjahr und Gießen beim Anwachsen oder in heißen Phasen brauchen sie kaum Pflege. Da sie nach einer Weile den ganzen Boden bedecken, ist auch das Jäten von Wildkraut nicht mehr nötig. So ein Vorgarten wirkt kühlend auf das Mikroklima, bietet Versickerungsfläche für Niederschlag und trägt somit zum Schutz vor Überflutung bei.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW 
Photo:  Verbraucherzentrale NRW /  © GrafKoks – stock.adobe.com 

 


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