STIFTUNG INDUSTRIEDENKMAL: „Wassergestalt“ auf Kokerei Hansa eröffnet


(Dortmund). Das Industriedenkmal Kokerei Hansa ist ab sofort um eine Besucherattraktion reicher – die „Wassergestalt Hansa“. Besucher können auf der Kokerei Hansa ab sofort nicht nur dem Weg der Kohle, sondern auch dem des Regenwassers folgen. Dieses wird bereits seit dem Herbst letzten Jahres vom Schmutzwasser getrennt und nun in der sogenannten „Wassergestalt Hansa“ inszeniert.

Sichtbar wird das ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Regenwassertrennsystem insbesondere im Bereich der weißen Straße der Kokerei. Hier fällt eine ein Meter breite und 345 Meter lange Wasserrinne mit punktueller Bepflanzung und Überquerungsmöglichkeiten als neues Element innerhalb der historischen Anlage ins Auge. Dieser Rinne wird sämtliches auf der Kokerei Hansa anfallendes Regenwasser zugeführt und von dort aus zu den Kühltürmen geleitet, deren weithin sichtbare stählerne Konstruktionen markant in den Himmel ragen. Dabei erhalten die historischen BetonWasserbecken unterhalb dieser Kühltürme* eine neue Funktion. Sie dienen als Sammelbecken für das Regenwasser, das von dort aus unterirdisch – also nicht mehr sichtbar – zur Emscher gepumpt wird.

Doch bevor es dorthin gelangt, dürfen die Besucher das Regenwasser erst einmal mit einem faszinierenden Wasserspiel selbst inszenieren. Anhand eines hölzernen Modells im Maßstab 1:1 wird veranschaulicht, wie früher auf der Kokerei Hansa in großem Umfang und auf effiziente Weise Wasser gekühlt wurde. Die eindrucksvolle „Verrieselungsanlage“ kann ab sofort von Besuchern in Gang gesetzt werden.

Das Konzept zur Visualisierung des Regenwassers entwickelte der Essener Landschaftsarchitekt Peter Davids (DTP). Bei der Maßnahme handelt es sich um ein Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR) in Zusammenarbeit mit der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Die Kosten von 960.000 Euro wurden zu 80 Prozent über das Ökologieprogramm Emscher Lippe (ÖPEL) finanziert; der RVR und die Industriedenkmalstiftung trugen jeweils einen 10-prozentigen Eigenanteil.

Die „Wassergestalt Hansa“ bedeutet für die Besucher ein attraktives Erlebnis und für das Industriedenkmal Kokerei Hansa eine enorme Aufwertung, betont Karola Geiß-Netthöfel, die Regionaldirektorin des RVR. Als Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur und regional bedeutsamer Standort im Emscher Landschaftspark gewinnt die Kokerei Hansa an Strahlkraft für die gesamte Region.

 

Wichtiger Hinweis:
Die „Wassergestalt Hansa“ ist im Rahmen der Öffnungszeiten der Kokerei Hansa zu besichtigen.

Öffnungszeiten: November bis März: Dienstag bis Sonntag von 10 – 16 Uhr; April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr
Adresse: Kokerei Hansa, Emscherallee 11, 44369 Dortmund-Huckarde.

Bitte beachten Sie folgende gesonderte Öffnungszeiten für den Zeitraum vom 24.12.2015 bis 4.1.2016: Vom 24.12. bis zum 28.12.2015 (einschließlich) sowie vom 31.12.2015 bis zum 4.1.2016 (einschließlich) bleibt die Kokerei Hansa geschlossen. Am 29. und 30.12. ist das Industriedenkmal von 10-16 Uhr geöffnet. Am 1.1.2016 findet um 14 Uhr die traditionelle Neujahrsführung statt.

Quelle:  Stiftung Industriedenkmal
Photo:   © Cornelia Dreyße (2015)

 

Hintergrundinformationen zur Funktionsweise der Kühltürme der Kokerei Hansa: 

Zu Betriebszeiten der Kokerei Hansa dienten die Kaminkühler dazu, täglich Tausende von Kubikmetern Wasser zu kühlen. Für den Kokereibetrieb war es wichtig, den Verbrauch durch Wiederverwendung von Wasser möglichst gering zu halten. Nur wenn, z.B. wegen Verdunstung, nicht mehr genug Wasser im Kreislauf, wurde Frischwasser zugeleitet.

Doch wofür wurde das Wasser verwendet? Auf der Kokerei Hansa fiel im Verlauf der Verkokung von Steinkohle in großen Mengen Gas an. Um es dem Stadtgasnetz zuzuführen, wurde es komprimiert und erhitzte sich dadurch. Vor der Einspeisung in die städtischen Leitungen musste es gekühltwerden. Dafür wurde es in Rohrleitungen durch Gaskessel (Kühler) geleitet.

Im Laufe des Kühlprozesses erhöhte sich die  Wassertemperatur von circa 20° C auf 70° C. Das heiße Wasser wurde deshalb zu den Kaminkühlern geleitet, um danach erneut als Kühlwasser verwendet zu werden.  Die vier Kaminkühler der Kokerei Hansa wurden in den 1920er und 30er Jahren nach der Bauart „Balcke“ (benannt nach dem Ingenieur HansJoachim Balcke, 1862-1933) konstruiert. Sie bestehen aus einem quadratischen oder rechteckigen Stahlbetonfundament mit eingelassenem Tropfbecken.

Ursprünglich war die bis heute erhaltene Stahlgerüstkonstruktion mit einer Holzverschalung ausgestattet, die regelmäßig gewartet, repariert bzw. ausgetauscht wurde. Im unteren Bereich waren die Türme mit verstellbaren Lamellen verkleidet, durch die kühle Luft einströmte, um – wie in einem Kamin – nach oben zu wehen. Im Inneren der Türme befanden sich übereinander gelagerte hölzerne Rinnen, in die im oberen Bereich das heiße Wasser eingeleitet wurde. Es tropfte dann von Rinne zu Rinne. Die Ausläufe der Rinnen mündeten jeweils auf Keramikteller, die den Wasserstrahl zersprengten. Auf der rauen Oberfläche von hölzernen Latten zerplatzten wiederum die Wasserstrahlen und fielen in immer feineren Tropfen nach unten. Durch die entgegen kommende, aufwärts strömende Luft und Verdunstung wurde das Wasser auf natürlichem Wege gekühlt. Es wurde unterhalb des Turmes in einem Betonbecken, der „Kühlturmtasse“ aufgefangen und konnte dann mit einer Temperatur von circa 20° C erneut zum Kühlen von Gas verwendet werden.  Im Zuge umfänglicher Sanierungsmaßnahmen wurden 2011 die schadhaften Kühleinbauten im Inneren der Türme und die Holzverkleidung der Kaminkühler entfernt. Aus statischen Gründen musste auf die Rekonstruktion der „hölzernen Haut“ verzichtet werden.

Um den Lauf des Wassers und den Tropf- bzw. Kühlvorgang zu veranschaulichen, wurde ein Teilstück der ursprünglichen Verrieselungsanlage als Modell im Maßstab 1:1 nachgebaut. Allerdings wird auf die Zuleitung von heißem Wasser verzichtet. Vielmehr wird hier im Umlauf Wasser aus der Kühlturmtasse angesaugt, über die hölzernen Abtropfrinnen geleitet und dem Ausgangsbecken wieder zugeführt.

 

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