Pilzsaison mit Schattenseiten – Das Regionalforstamt informiert…

 
Gelsenkirchen (Wald und Holz NRW). Die Pilzsaison 2015 hat bereits jetzt einen traurigen Rekord aufgestellt. In den Medien werden immer wieder neue Fälle von zum Teil tödlichen Pilzvergiftungen bekannt. Dies ist sonst eher die Ausnahme. Die Förster des Regionalforstamtes Ruhrgebiet von Wald und Holz NRW raten vor diesem Hintergrund in diesem Jahr ganz besonders zur Vorsicht beim Pilze sammeln in den heimischen Wäldern. Denn viele Speisepilze und Giftpilze sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Auch wenn schon vom Frühjahr an Pilze im Wald zu finden sind, ist der Herbst die eigentliche Pilz-Saison. Die derzeit feuchte Witterung bietet den Pilzen gute Wachstumsbedingungen. Und Pilze sammeln ist wieder im Trend; die Zahl der Sammler nach schmackhaften Speisepilzen in unseren Wäldern hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Für Pilzfreunde ist es lebenswichtig, genau zu wissen, welchen Pilz sie im Körbchen haben. Denn es gibt hochgiftige Doppelgänger, deren Gifte zeitverzögert und im schlimmsten Fall tödlich wirken.

So geschehen bei zwei Personen, die in dieser Woche in der Münsteraner Uniklinik verstarben. Auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) meldet einen Anstieg der Fälle schwerer Pilzvergiftungen gegenüber den Vorjahren. Häufig sind Flüchtlinge betroffen, die die Waldpilze in NRW mit Speisepilzen aus ihrer Heimat verwechseln. Gerade der Grüne Knollenblätterpilz ist besonders häufig Verursacher schwerster Vergiftungen. Und dieser kommt im aktuellen Herbst außergewöhnlich oft vor. Die MHH hat da eher ein Informationsblatt zu dem gefährlichen Doppelgänger erstellt und in acht verschiedenen Sprachen übersetzt. Diese Informationsblätter sollten, wenn möglich, in Flüchtlingsunterkünften und bei Flüchtlingshilfen bekannt gemacht werden. Die PDF-Versionen sind auf der Internetseite der MHH unter www.mh-hannover.de/46.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4191&cHash=f458d2a76a507afe8eb69550da41b913″>www.mh-hannover.de/46.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4191&cHash=f458d2a76a507afe8eb69550da41b913 zu finden.

Sollte es trotzdem zu Vergiftungen kommen, hilft die Vergiftungszentrale NRW rund um die Uhr unter der Tel.-Nr. 0228-19240 weiter. Weitere Informationen sind unter www.gizbonn.de zu finden.

Wer auf eigene Faust im Wald Pilze sammelt, muss sich auskennen. Pilzseminare für Einsteiger können Abhilfe schaffen und werden von verschiedenen Institutionen und Privatpersonen angeboten. Die Anbieter sind leider nicht systematisch erfasst. Jedoch können Interessierte über die Forstämter von Wald und Holz NRW, Kreise oder Naturschutzverbände regionale Informationen oder weiterführende Kontakte erhalten. Pilzsachverständige bieten zudem an, unsichere Pilzfunde zu bestimmen.

Viele Menschen suchen jeden Tag den Wald auf, aus ganz verschiedenen Gründen. Spaziergänger, Pilzsammler, Mountainbiker, Geocacher, Walker, Jäger, Förster und die Waldbesitzer sind im Wald unterwegs. Aus diesem Grund ist auch beim Pilze sammeln gegenseitige Rücksicht gefragt. Die Förster des Regionalforstamtes Ruhrgebiet von Wald und Holz NRW können bei Fragen und Problemen vermitteln. Das Regionalforstamt Ruhrgebiet ist unter der zentralen Rufnummer 0209-94773-0 zu erreichen. Die Kontaktdaten der anderen Forstämter findet man unter www.wald-und-holz.nrw.de/regionalforstaemter .

Radioaktive Pilze
Fast drei Jahrzehnte sind seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bereits vergangen. Doch Pilze haben ein langes Gedächtnis. Der radioaktive Niederschlag lässt sich auch heute noch in Pilze nachweisen. Wie jedes Jahr sammeln Försterinnen und Förster aktuell Pilze, die auf Radioaktivität getestet werden. Seit Jahren sind die Ergebnisse für NRW deutlich unter den Grenzwerten, so dass der Pilzpfanne nichts im Wege steht. Anders in Bayern, wo die Grenzwerte regelmäßig überschritten werden.

Gesellschaftsfähige Pilze
Vereinfacht gesagt, gibt es zwei Kategorien von Pilzen. Solche, die ihre Energie durch das Zersetzen von organischem Material, z.B. Holz, bekommen. Dadurch entsteht bei Bäumen Holzfäule, weshalb Förster diese Pilze nicht überall gerne sehen. Andere können eine Lebensgemeinschaft mit den heimischen Bäumen bilden. Mit feinen Fäden umwandeln sie die Wurzeln der Bäume. Über diese „Mykorrhizza“ bekommen die Pilze Zucker von den Bäumen. Die Bäume erhalten im Gegenzug Nährstoffe, die sie zum Wachstum benötigen. Weiterhin können sie durch das zarte Geflecht besser Wasser aufnehmen, eine Win-Win-Situation. Diese Beziehungen sind so eng, dass bestimmte Pilze nur in der Nähe eines bestimmten Baumes stehen können. Ein Birkenpilz wächst unter einer Birke, ein Goldröhrling unter Lärchen. Wer die Baumpartner der Bäume kennt, hat damit deutlich schneller Erfolg beim Sammeln. Die Gesellschaften aus Pilzen und Bäumen sind für den Wald überlebenswichtig. Daher sehen es Försterinnen und Förster nicht gerne, wenn mit Pilzen achtlos umgegangen wird. Aufgrund der engen Verzahnung zwischen Baum und Bild sind Pilze ein guter Einstieg in das Thema „Ökosystem Wald“.

Auch in den Wäldern des Regionalforstamtes Ruhrgebiet gibt es eine Menge schmackhafter Speisepilze. Jeder Pilzsammlerin und jedem Pilzsammler ist aber nur das Sammeln für den eigenen Verbrauch gestattet. Die oft gängige Faustzahl von 1 – 2 kg ist dabei die Obergrenze.

Quelle: Wald und Holz NRW

Abbildung oben: Der Fruchtkörper des Steinpilzes, dem beliebtesten Speisepilz in den Wäldern
NRWs. Er gehört zu den „Röhrlingen“, die sich auch für Einsteiger des Pilze sammelns eignen.
(Photo: © Wald und Holz NRW)

 

 

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